Warum viele Helfende an ihre Grenzen gehen – und was Sprache damit zu tun hat
Kürzlich habe ich einen Kurs für Menschen aus dem Gesundheitswesen angeboten. Der Titel lautete:
👉 „Das muss ich mir nicht gefallen lassen!“ – Grenzen setzen mit Respekt und Klarheit
Ein Satz, der aufhorchen lässt. Und ein Thema, das aktueller nicht sein könnte:
Emotionale Überlastung, fordernde Patienten, ständiger Zeitdruck – viele Fachkräfte fühlen sich erschöpft, unter Druck und anhaltend überfordert.
In meinem Alltag als Kommunikationstrainerin und Physiotherapeutin sehe ich immer wieder, wie tief dieses Thema geht.
Und dennoch: Die Anmeldungen zu diesem Kurs blieben aus.
Das hat mich nachdenklich gemacht. Und es sagt viel aus.
💬 Wenn Helfen zur Selbstaufgabe wird
Ich glaube: Das ist ein Spiegel.
Viele Menschen – gerade in sozialen, medizinischen und therapeutischen Berufen – setzen sich selbst nicht an erste Stelle.
Nicht einmal dann, wenn es um die eigenen Grenzen geht.
Denn sie helfen gern.
Sie sind fürsorglich, geduldig, verantwortungsvoll.
Und gleichzeitig:
🔹 sagen sie selten Nein
🔹 schlucken sie Frust herunter
🔹 arbeiten sie trotz Überforderung weiter
Bis es zu viel wird.
Oft schleichend. Und auf Dauer: krankmachend.
🧠 Grenzen setzen ist kein Egoismus – es ist Selbstschutz
In meinem Kurs geht es nicht darum, sich abzugrenzen um jeden Preis.
Es geht um etwas anderes:
Eine klare, wertschätzende Sprache, die schützt – und gleichzeitig verbindet.
Sie zeigt dem Gegenüber:
Ich bin da. Aber nicht um jeden Preis.
Ich nehme dich ernst – und mich auch.
✍️ Was die Teilnehmer:innen im Kurs lernen:
- Eigene Belastungsgrenzen wahrnehmen und ernst nehmen
- Schwierige Gesprächssituationen souverän und klar meistern
- Mit Frustration, Widerstand und emotional aufgeladenen Situationen umgehen
- Sprachliche Techniken nutzen, um Konflikte zu entschärfen
- Achtsam mit sich selbst umgehen – auch nach dem Gespräch
🤔 Warum melden sich trotzdem so wenige an?
Vielleicht war der Titel zu direkt.
Vielleicht war das Thema zu unbequem.
Vielleicht dachten viele:
„Ich komme schon klar.“
Aber genau das ist der Punkt:
Grenzen spüren wir oft erst dann, wenn es zu spät ist.
🧭 Veränderung beginnt bei dir
Nein sagen zu können – klar, respektvoll und standfest – ist kein Luxus.
Es ist eine Fähigkeit, die erlernt und trainiert werden kann.
Und sie ist ein zentraler Bestandteil gesunder Selbstführung.
Ich freue mich auf den nächsten Kursdurchgang – und auf alle, die den Mut haben, sich selbst wichtig zu nehmen.
Nicht irgendwann. Sondern jetzt.