In einem meiner Seminare ging es vor kurzem um die Formulierung:
„Ich möchte Dich bitten, die Spülmaschine auszuräumen.“
Ich erklärte den Teilnehmern:
„möchte“ ist eine Form des Konjunktiv II. Es ist eine Form des Verbes „mögen“.
Diese grammatikalische Form trägt auch die Bezeichnung Irrealis.
Das Verb „möchten“ gibt es also nicht.
Kurz nach dem Workshop bekam ich eine Nachricht von einem Teilnehmer.
Er habe gegoogelt und das Wort gebe es doch.
Als eigenes Verb.
Ich ließ mir den Link schicken und schaute selbst.
Tatsächlich, da stand es. Schwarz auf weiß:
Das Verb „möchten“. „Ich möchte“, „er möchtete“, „sie hat gemöchtet“
Das meckert sogar mein Rechtschreibprogramm an.
Zum Glück.
Und Nein. Dieser Eintrag ist falsch.
Im Duden – und dem vertraue ich – steht es nachzulesen.
„Ich möchte“ ist eine Form des Wortes „mögen“. Es bedeutet so etwas wie „ich würde mögen“.
Der entscheidende Punkt im Seminar war allerdings ein anderer:
Viele verwenden solche Formulierungen, um höflich zu sein.
Dabei passiert etwas:
Die Aussage wird weicher.
Unklarer.
Weniger verbindlich.
„Ich möchte Dich bitten …“ lässt mehr Spielraum als:
„Ich bitte Dich …“
Beides ist höflich.
Die Wirkung ist unterschiedlich.
Im Praxisalltag zeigt sich das sehr deutlich.
Ein Patient hört:
„Sie sollten die Übungen machen.“
Oder:
„Ich empfehle Ihnen, die Übungen regelmäßig zu machen.“
Was kommt an?
Eine klare Orientierung?
Oder eine unverbindliche Möglichkeit?
Sprache entscheidet, wie deutlich eine Botschaft wird.
Genauso höflich ist es, wenn Du sagst: „Ich bitte Dich, die Spülmaschine auszuräumen.“
Oder was meinst Du?
Wenn du es ausprobieren willst, achte einmal darauf, bei welcher Formulierung dein Gegenüber schneller reagiert.
Sei also vorsichtig mit dem, was Du glaubst, nur weil es im Internet steht.
Wenn du klarer formulieren willst – so, dass deine Aussagen im Alltag auch wirklich ankommen:
Informationen zu den Inhouse-Seminaren findest du hier.
